Vorwort des Botschafters der Republik Namibia in der Bundesrepublik Deutschland
Seine Exzellenz Martin Andjaba

Liebe Freunde von Tangeni Shilongo Namibia,

wir gehen ins zweite Jahr der COVID-19-Pandemie, die die ganze Welt in Mitleidenschaft gezogen hat und weiterhin zieht. Auch Namibia ist nicht verschont geblieben.  Die wirtschaftlichen und menschlichen Auswirkungen der Pandemie im ersten Jahr 2020, waren massiv. Besonders die Notlage von Kindern und Jugendlichen bleibt oft unbemerkt. UNICEF berichtete auf der Basis von Daten aus 87 Ländern, dass eine von neun COVID-19-Infektionen Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren betrifft. Auch in Namibia ist diese Entwicklung zu beobachten: 15 % der bestätigten COVID-19-Fälle Ende 2020, waren in der Altersgruppe 0-19 Jahre zu verzeichnen. D.h. ein Kind unter sieben der insgesamt bestätigten Fälle war von COVID betroffen. Der Bericht zeigte auch, dass im Jahr 2020 zusätzlich 6 bis 7 Millionen Kinder unter 5 Jahren Anzeichen von Auszehrung aufwiesen oder an akuter Unterernährung litten. Das ist ein Anstieg von 14 %. Es bedeutet den Tod von zusätzlich mehr als 10.000 Kindern pro Monat– hauptsächlich in Afrika südlich der Sahara und in Südasien. UNICEF stellte fest, dass bis Mitte 2020 die Zahl der Kinder, die in multidimensionaler Armut leben, d. h. Kinder ohne Zugang zu Bildung, Gesundheit, Wohnung, Ernährung, sanitären Einrichtungen oder Wasser, weltweit um schätzungsweise 15 % – das sind zusätzliche 150 Millionen Kinder – angestiegen sein wird. [1]

In Namibia haben wir gesehen, dass trotz des allgemeinen Rückgangs der insgesamt bestätigten COVID Fälle seit der Aufhebung des COVID-19-Notstandes im September 2020, die Infektionsraten in Schulen und Wohnheimen aufgrund beengter Verhältnisse immer wieder aufflammen.

Überall auf der Welt haben Eltern, vor allem aber alleinerziehende, berufstätige Mütter, damit zu kämpfen, eine Vielzahl von Aufgaben bewältigen zu müssen, die vom Home-Office über die Hausarbeit bis hin zur Unterstützung ihrer Kinder beim digitalen Lernen reichen. Wir beobachten, dass die meisten Länder vor großen Herausforderungen stehen, wenn es um Schulöffnungen und der damit verbundenen Anwendung von Sicherheits- und Hygienemaßnahmen geht.

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass im ersten Jahr von COVID-19 mindestens ein Drittel der Schulkinder weltweit, d. h. 463 Millionen Kinder, keinen Zugang zu Fernunterricht hatten. Es fehlte die notwendige Technologie. In Afrika südlich der Sahara kann die Hälfte aller SchülerInnen nicht digital erreicht werden. Besonders für die kleinen Kinder bedeutet dies oft, dass ihnen mindestens eine Mahlzeit am Tag fehlt und dass sie hungern müssen. Die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft könnten noch Jahrzehnte lang zu spüren sein.

In Einklang mit der namibischen Regierungspolitik, liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten von Tangeni Shilongo Namibia auf Bildung als Schlüssel zur Entwicklung. Dies nehme ich mit Anerkennung zur Kenntnis. Ich begrüße es, dass das Ziel der Organisation, nämlich jedem Kind und Jugendlichen in Namibia eine realistische und faire Chance auf eine gute Ausbildung zu ermöglichen, insbesondere den Kindern aus finanzschwachen Familien zugutekommt. Das DRC School Project & Community Centre und das OPEN DOORS Stipendienprogramm sind ein erfolgreiches Beispiel dafür.

Im südlichen Afrika lehrt uns die Philosophie von Ubuntu, dass „ein Mensch durch einen anderen Menschen ein Mensch ist“.

Zusammenarbeit und Solidarität können tatsächlich Grenzen überwinden.

Am 31. Jahrestag der Unabhängigkeit Namibias, dem 21. März 2021, unterstrich unser Präsident, S.E. Dr. Hage Geingob dies, als er sagte:

„Lasst uns nie vergessen, dass es einer vereinten und kollektiven Anstrengung bedurfte, um diese Nation aufzubauen. Nicht eine Volksgruppe, nicht ein Menschenschlag, nicht ein Geschlecht, nicht eine Religion hat dies erreicht, sondern wir alle gemeinsam. (…) Wenn wir vereint und solidarisch zusammenstehen und gemeinsam an einem Strang ziehen, werden wir den Traum von einem wohlhabenden namibischen Haus leben, in dem jede/r einen Platz findet.“

Botschafter Martin Andjaba