„Ich kann mehr für Namibia tun, wenn ich nicht in Namibia bin!“
In Namibia kennt ihn jeder! In Deutschland ist EES der wohl bekannteste namibische Künstler – und seit Jahren ein besonders treuer Botschafter unseres Vereins Tangeni Shilongo Namibia. Kurz vor dem Start seiner Tour in Deutschland hat EES sich noch einmal für uns Zeit genommen. Im Interview spricht er darüber, was ihm die Rolle als Botschafter für TSN und sein Geburtsland Namibia bedeutet, was hinter seinem neuen Album Freshness steckt, warum Livekonzerte für ihn gerade in Zeiten von Krisen und Social Media wichtiger denn je sind und ob sein Lebensmittelpunkt eines Tages wieder Namibia sein wird.
TSN: Moin EES, dieses Interview heute führen wir ja in einem absoluten Hitzewellen-Sommer, den wir in Deutschland gerade erleben. Überstehst du als gebürtiger Namibier die heißen Sommertage gerade leichter – weil du das Klima aus Namibia gut kennst?
EES: Das ist schon crazy, was wir hier gerade für einen Sommer haben. In Namibia lernt man früh, wie und wann man Türen und Fenster zum Durchlüften am besten aufmacht. Deshalb ist da, wo ich wohne, mein Haus sicher immer das Kühlste in der ganzen Nachbarschaft. Ich glaube, ich kann mit der Hitze wirklich besser umgehen. Aber hier in Deutschland erleben wir eine ganz andere Hitze als in Namibia. Hier ist es schwüler. Und die trockene Hitze in Namibia ist meist viel erträglicher! Ich kann aber nur hoffen, dass es bei all jenen, die nicht an den menschengemachten Klimawandel glauben, endlich ein Umdenken gibt. Dieser Sommer hier in Deutschland ist eine Warnung. Wir müssen uns da in eine andere Richtung bewegen.
TSN: Das Gute ist, dass du vom Wetter jetzt im Herbst ja völlig unabhängig bist. Da steht ja deine Tour an. Und die Konzerte – unter anderem in Hamburg, Köln oder Düsseldorf – finden indoor statt. Da sind Hitze, Regen oder Schnee egal…
EES: Das stimmt. Und das sind großartige Clubs, in denen ich dieses Mal mit meiner Band spielen darf. In Hamburg geht’s los im Club Hebebühne am 18. September. Eine Woche später dann nach Köln am 25. September im NightWash club direkt in der Innenstadt. Hammer! Einen Abend später (26. September) in Krefeld in der Kulturfabrik – in der KuFa! Eine richtig krasse Location. Und dann noch am 27. September im Düsseldorfer Pitcher…
TSN: Drei Konzerte in drei Tagen? Das ist sportlich!
EES: Und wie! Und ich setze noch einen obendrauf. Ich bin nachts ja immer lange wach und da besonders kreativ. Und da habe ich mir in den vergangenen Monaten überlegt: Wie kann ich diese Konzerte zu ganz besonderen Erlebnissen machen für meine Gäste und mich? Und dann hatte ich die Idee: Jeder, der ein Ticket bestellt, bekommt zusätzlich zum Ticket noch ein Armband. Auf diesem Armband gibt es einen QR-Code und einen Passwort. Und die Konzertgäste, die den Code scannen, kommen auf eine exklusive Website. Auf der gibt es einen Gruß nur für sie und die Aufforderung, ihr Handy beim Konzert wegzupacken. Denn: Auf der Website werden dann etliche Fotos von dem Konzert veröffentlicht. Zudem: Backstage-Material, ein exklusiver Song, den ich noch nicht veröffentlicht haben werde. Und es wird Aufnahmen vom Konzert geben. Heißt: Die Leute, die da besonders laut mitsingen, werden sich auf den Aufnahmen sicherlich selbst hören können. Ich will den Gästen ein tolles Erlebnis ermöglichen. Sie sollen eine gute Zeit haben und good vibes erleben! Das alles vorzubereiten ist zwar so viel mehr Arbeit für mich aktuell, aber ich hab‘ da Bock drauf!
TSN: Und dann stellst du auf der Tour ja sowieso noch dein neues Album Freshness vor!
EES: Das erste Konzert ist an dem Tag, an dem auch mein neues Album rauskommt. Und ich freue mich drauf, einige neue Songs dann auch erstmals live vor Publikum spielen zu können. Die Tour besteht sowieso ausschließlich aus Hits: Ich bin ja nun wirklich schon lange dabei und habe deshalb entschieden, dass ich auf meiner Tour dann auch meine größten Hits spielen will. Da habe ich mir wirklich das Beste rausgepickt. Ich glaube auch, das wird das Beste sein, was ich jemals auf Tour machen werde.
TSN: Die Live-Musik-Branche durchlebt derzeit ja schwierige Zeiten. Das bekommst auch du beim Ticket-Verkauf zu spüren. Mit welchem Konzept versuchst du hier, dagegenzusteuern?
EES: Darüber habe ich mir in den vergangenen Wochen viele Gedanken gemacht und hab nun eine Idee, die mir sehr gut gefällt: Ich habe gerade ganz frisch eine Website gestaltet, auf der man Menschen, die wenig Geld haben, ein Konzertticket ermöglichen kann. Auf der Website kann man zum Beispiel fünf Euro geben oder auch sehr viel mehr… Und das Geld, das bis Mitte September zusammenkommt, wandeln wir dann in echte Tickets um. Und wer kriegt diese Tickets? Auf dieser Website kann jeder auch Menschen vorschlagen, die diese Tickets dann bekommen sollen. Zum Beispiel Menschen, von denen ihr wisst, dass sie gerade einen positiven Live-Musik-Abend in ihrem Leben gut gebrauchen könnten. So versuche ich, meine Tour zu retten und gleichzeitig besondere Erlebnisse zu schaffen. Ich finde, das ist eine Win-Win-Situation für alle.
TSN: Du sagtest es gerade schon – du möchtest auf deinen Konzerten „good vibes“ verbreiten und deinen Gästen eine gute Zeit geben. Sind diese good vibes, die du als Künstler verbreitest, gerade jetzt, wo viele durch die tägliche Nachrichtenberichterstattung und durch Unsicherheiten im Alltag beeinflusst sind, wichtiger denn je?
EES: Sowas von! Klimawandel – Economy problems – Kriege. Wir haben so viele Challenges im Moment. Ich frage mich aktuell oft: Leben wir überhaupt noch? Jede freie Minute holt man sein Handy raus und ist beschäftigt sich in den „sozialen“ Netzwerken… Das hat aber auch zur Folge, dass bei uns in der Künstler-Branche die Ticketverkäufe zurückgehen. Ich will die Menschen dazu animieren, wieder mehr erleben zu wollen. Etwas zu spüren: Den Bass in der Brust, den Schweiß auf der Stirn, die Freude im Herzen. Dieses Glücksgefühl kann ein Livekonzert-Erlebnis problemlos auslösen, Social Media kann das nicht! An Konzerte erinnern wir uns aber lange! Mit anderen Menschen in einem Raum zu stehen und die gemeinsame Energie zu erleben. Live-Musik kann Gänsehaut geben – das und nichts weniger ist mein Ziel!










Die Independence-Avenue ist Windhoeks wichtigste Straße und erinnert an die erlangte Unabhängigkeit am 21. März 1990 – dem heutigen Nationalfeiertag Namibias. Vor der Unabhängigkeit hieß die Independence Avenue noch „Kaiserstraße“.