Nationalfeiertag, Tag der Arbeit, Völkermord-Gedenktag – Namibia und seine Feiertage

Gleich 13 landesweit geltende Feiertage gibt es in Namibia – in Deutschland sind es gerade einmal neun, die bundesweit gelten. Der Vergleich der Feiertage beider Länder zeigt zudem: Während in Deutschland mehr als zwei Drittel aller Feiertage einen kirchlichen Hintergrund haben, gibt es in Namibia vor allem Feiertage, die an historische Ereignisse erinnern.

Sieben Feiertage gibt es sowohl in Deutschland als auch in Namibia: Neujahr (1. Januar), Karfreitag, Ostermontag, der Tag der Arbeit (1. Mai), Christi Himmelfahrt sowie der 1. und 2. Weihnachtsfeiertag (25./26. Dezember) sind in beiden Ländern arbeitsfrei. Dazu kommt in Deutschland der Nationalfeiertag (3. Oktober: Tag der Deutschen Einheit). In Namibia liegt der Nationalfeiertag auf dem 21. März, an dem das Land seine Unabhängigkeit feiert, die an jenem Tag im Jahr 1990 erreicht wurde. Der letzte bundesweite arbeitsfreie Feiertag in Deutschland ist der Pfingstmontag – das war’s.
In Namibia gibt es darüber hinaus noch fünf weitere Feiertage, von denen die meisten im Mai liegen: Der Cassinga-Day (4. Mai) sorgt in Kombination mit dem Tag der Arbeit (1. Mai) und dem Samstag (2. Mai) und Sonntag (3. Mai) in diesem Jahr (2026) dafür, dass die Namibierinnen und Namibier ein XXL-Wochenende genießen können. Zudem ist in Namibia – wie auch in vielen anderen afrikanischen Ländern – der Afrikatag am 25. Mai frei, an dem 1963 der Vorläufer der heutigen Afrikanischen Union gegründet wurde. Wenige Tage später im Mai steht dann noch der erst seit vergangenem Jahr arbeitsfreie Völkermord-Gedenktag auf dem namibischen Kalender: An ihm gedenkt das Land den Opfern während der deutschen Kolonialherrschaft. Weitere namibische Feiertage sind der Heroes Day am 26. August und der „Tag der namibischen Frauen und der internationale Tag der Menschenrechte“ (10. Dezember).

Neben all diesen national geltenden Feier- und Gedenktagen gibt es zudem noch etliche Feiertage und Feste, die nur bestimmte Bevölkerungsgruppen in Namibia feiern. Als Beispiele nennt die Kulturforscherin Sabine Klocke-Daffa von der Universität Tübingen, Expertin für die namibischen Bevölkerungsgruppen, „den jährlich zelebrierten Heroes Day der Herero in Okahandja oder den Witbooi-Day der Nama in Gibeon, die beide an die Auseinandersetzungen mit den deutschen Kolonialtruppen erinnern.“

Zwar stellt Sabine Klocke-Daffa immer wieder aufs Neue fest, dass „Namibia […] heute ein überwiegend christliches Land mit sehr überzeugten Christen“ sei. Und dennoch – trotz der 80 Prozent Christen im Land und der immensen Religionsbedeutung für die Menschen dort – haben weniger als die Hälfte aller Feiertage in Namibia einen kirchlichen Hintergrund. Zum Vergleich: Zwei Drittel aller in Deutschland bundesweit geltenden Feiertage sind auf kirchliche Feste zurückzuführen. Trotzdem hätten diese westlichen Einflüsse in den vergangenen Jahrhunderten die ursprünglichen Traditionen der vielen Kulturen in Namibia nicht abgelöst, sagt Sabine Klocke-Daffa: „Bestimmte sozial-religiöse Aspekte wurden integriert, zum Beispiel das Heilige Feuer zur Kommunikation mit den Ahnen als Vermittler zwischen Gott und den Lebenden bei den Herero und Himba oder die Initiationsriten für Mädchen und Jungen der Oshiwambo.“ Und gerade das Weihnachtsfest habe kulturübergreifend in Namibia „eine große soziale Bedeutung, weil dann nicht nur alle Schulen und Hochschulen, sondern auch die meisten Betriebe und Verwaltungen Ferien haben. Die Namibier nutzen diese Zeit, um ihre Verwandten – meist auf dem Land – zu besuchen.“