Warum Malaria in Namibia wieder auf dem Vormarsch ist

Die Trockenzeit ist vorbei. Seit Wochen kündigen dicke, dunkle Wolken am Himmel über dem Norden Namibias die Regenzeit an. Die herannahende rainy season ist Grund zum Jubel in vielen Teilen des Landes – nicht nur bei den vielen Hunderttausenden, die mit der Landwirtschaft ihr Geld verdienen. Eine große Sorge kehrt nun aber ebenfalls zurück: Kann Namibias Norden in dieser Regenzeit der Welle an Malaria-Fällen entgehen? Seit der vergangenen Regenzeit scheint diese Infektionskrankheit endgültig ins Land zurückgekehrt zu sein.

Jahrelang schien Namibia den Kampf gegen Malaria zu gewinnen. Die Fallzahlen sanken stetig – doch seit Beginn des Jahres 2025 verzeichneten Tropeninstitute in Namibia einen beispiellosen Anstieg der Malariafälle. „Fast 100.000 Malariafälle in Namibia sind ganz schön viele“ – so lautet das Fazit von Dr. Michel Pletschette. Er ist Facharzt für Mikrobiologie und Mitarbeiter der Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilian-Universität München. „Sämtliche Maßnahmen, die getroffen wurden, um Malariafälle zu reduzieren, scheinen in der vergangenen Regenzeit wirkungslos geblieben zu sein.“

Konkret zählte das Afrikanische Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention („Africa CDC“) in Namibia im Jahr 2025 95.000 Malariafälle und 154 malariabedingte Todesopfer. Derartige Fallzahlen gab es zuletzt im Jahr 2000. „Das Hauptproblem sind die enormen Regenfälle und Überschwemmungen der vergangenen Regenzeit in Nord- und Nordostnamibia, die für eine Vermehrung der Brutstätten der Malariamücken gesorgt hat“, sagt Dr. Michel Pletschette. Somit konnten sich die Malariamücken rasant vermehren.

Bis ins Jahr 2000 habe es in Namibia kaum Maßnahmen gegen Malariainfektionen gegeben, erinnert sich der Wissenschaftler: „Feldarbeiter schliefen oft in der Nähe von Pfützen unweit ihres Arbeitsplatzes mit vielen Menschen in engen Räumen. So kamen die Stechmücken zum Blut saugen in die Schlafräume und übertrugen beim Stich die Parasiten ins Blut der Menschen. Seitdem hat sich die Lage aber graduell verbessert. In vielen Gebieten wurden die Brutstätten der Mücken stillgelegt und Bettnetze verteilt – allerdings noch nicht flächendeckend.“ So seien in vielen Regionen des Landes wie auch im Allgemeinen im südlichen Afrika noch zahlreiche Haushalte ohne Bettnetze, sagt Dr. Michel Pletschette. „Die, die vorhanden sind, werden entweder nicht ausreichend oder für andere Zwecke genutzt.“ Viele Menschen seien deswegen in der vergangenen ergiebigen Regenzeit den Malariamücken schutzlos ausgeliefert gewesen.