Neue Visa-Regeln bisher ohne Folgen für die Tourismus-Zahlen

Spektakuläre Landschaften, beeindruckende Wildtiere und eine bewegte Landesgeschichte: Namibia lockt jährlich rund eine Million internationale Reisende an – Tendenz steigend. Das sei ein Segen für Namibias Wirtschaft, zieht Matthias Lemcke, Europa-Direktor des Namibia Tourism Boards, der staatlichen Marketing-Agentur Namibias, fünf Jahre nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie Bilanz. Im Interview mit uns nennt er die beliebtesten Ziele der internationalen Gäste in Namibia, welche Folgen für die Tourismuswirtschaft er durch das neu eingeführte Visum vermutet und verrät auch, weshalb ihm das Verhalten einiger Reisenden Sorgen bereitet.

TSN: Herr Lemcke, vor genau fünf Jahren hat die Pandemie den Tourismus in Namibia in die tiefste Krise der Landesgeschichte gerissen. Würde Namibias Tourismussektor jetzt – im Jahr 2025 – woanders stehen, hätte es die Pandemie nicht gegeben?

Matthias Lemcke: Definitiv! Die Pandemie hat uns in vielerlei Hinsicht ausgebremst, hat auch Investitionen abgeschreckt. Sonst hätten wir den heutigen Zustand schon 2021 oder 2022 gehabt. Wir sehen nun, dass viele Investitionen passieren, die sonst wahrscheinlich deutlich früher stattgefunden hätten.

TSN: Je nachdem, wen man fragt, konkurriert der Tourismus mit dem Bergbau und der Landwirtschaft um den Ruf als wichtigster Wirtschaftszweig des Landes. Welchen Stellenwert würden Sie dem Tourismus in Namibia einräumen?

ML: Da bin ich als Direktor der Marketingagentur natürlich etwas befangen, aber Sie schätzen das schon richtig ein: Mal steht der Tourismus in einer Liste der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes auf Platz 2, mal auf Platz 3. Was aber feststeht: Die Tourismuswirtschaft Namibias ist verhältnismäßig personalintensiv und wird deshalb nie an Bedeutung verlieren. Selbst wenn der Tourismus im Wirtschaftsranking des Landes auf Platz 3 steht, ist er wichtig für den Arbeitsmarkt. Auch weniger qualifizierte Arbeitskräfte können in dieser Branche schnell Fuß fassen. Das wäre beispielsweise im Bergbau nicht denkbar. Der Tourismus bietet also vielen die Gelegenheit, leicht einzusteigen. Und vor allem auch: Aufzusteigen! Hier haben wir einen wichtigen Nachhaltigkeitsaspekt, was die Schaffung und die Sicherung von Arbeitsplätzen angeht und deshalb ist es fast egal, ob der Tourismus auf Platz 2 oder 3 steht. Der Tourismus ist ein Hoffnungsträger für Menschen in Namibia, in dem sie ohne große Hürden an Jobs kommen können.